Universität Innsbruck · 2026

Müll
an der Uni

Wo und wie haben Studierende einen Einfluss auf Müll an der Universität Innsbruck? Eine Spurensuche durch Mensa, Gänge und Hörsäle.

SCROLL

Beobachtungen

Sieben Stationen auf dem Campus. Jedes Bild erzählt eine kleine Geschichte über den Umgang mit Müll.

Holly Kaffeekultur Automat

Der Coffee-to-go Konflikt

Der Holly-Kaffeevollautomat in einem Uni-Gebäude. Fairtrade und Bio-Kaffee, aber daneben der Einwegdeckel-Spender. Die Frage, ob es wirklich einen Plastikdeckel braucht, bleibt dem Gewissen der Studierenden überlassen. Dabei gibt es bereits Mehrwegbecher-Lösungen auf dem Campus.

Metalhead Club Flyer auf Bank

Werbemüll auf der Sitzbank

Zwei Aufkleber des "Metalhead Club" und ein zerknüllter Zettel auf einer Sitzbank. "Kein Tracking. Keine Werbung. Keine Nazis." Ironischerweise enden genau diese Flyer selbst als Werbemüll. Ein Paradebeispiel für unbeabsichtigte Vermüllung durch Promotion-Aktionen im öffentlichen Raum.

Müllexkursions-Infoblatt

Der Plan

Das Informationsblatt der Exkursion mit dem Tagesplan von 9 bis 15 Uhr. Die zentrale Frage: "Wo und wie haben Studierende einen Einfluss auf Müll an der Universität Innsbruck?" Der Widerspruch: dieses Blatt wurde ausgedruckt. Wir haben OLAT als digitale Plattform, auf der wir die Informationen hätten teilen können. Stattdessen liegt hier Papier – selbst Müll. Ein offenes Eingeständnis, dass auch wir Teil des Problems sind, das wir untersuchen.

♻️ Papier, obwohl OLAT zur Verfügung steht
Zigarettenstummel neben Sitzbereich

Zigarettenstummel auf der Terrasse

Ein Stummel auf dem Boden direkt neben einem Sitzbereich mit Tischen und Stühlen. Ascheflecken rundherum. Dabei stehen die Aschenbecher nur ein paar Meter entfernt – oder auch nicht. "Zigarettenstummel neben den Aschenbechern, unnötig", steht in den Notizen.

Müllsack im Gang

Der einsame Müllsack

Ein schwarzer Müllsack im Gang zwischen Büros und Seminarräumen. Abgestellt, vergessen? Der saubere Gang und der einsame Sack wirken wie ein stiller Zeuge des Hintergrundbetriebs, der sonst unsichtbar bleibt. Auch saubere Gänge produzieren Abfall – er wird nur weggeräumt.

Toilettenpapier am Boden

Toilettenpapier am Boden

Mehrere Lagen Toilettenpapier liegen auf dem Boden einer Unitoilette. Sauber, unbenutzt, einfach aus dem Spender gezogen und fallen gelassen. Vandalismus oder Gedankenlosigkeit? In jedem Fall ist es vermeidbarer Ressourcenverschleiß. Müll ist oft eine Frage der Einstellung.

Serviette auf Tisch neben Mülltonne

Die Ironie der Nähe

Eine zerknüllte Serviette und ein Stück Pappe auf einem weißen Tisch. Direkt daneben steht eine schwarze Mülltonne. Maximal ein Meter trennt den Abfall von seinem Bestimmungsort. Die letzte Meile des Mülls ist offenbar die schwerste.

Interview mit Norbert Wild

Norbert Wild arbeitet bei der Universität Innsbruck Gastronomiebetriebe GmbH. Wir haben ihn zu Abfallmanagement in der Mensa befragt.

Norbert Wild

Norbert Wild

Universität Innsbruck Gastronomiebetriebe GmbH
"Einweg ist der größte Feind. Kein Plastik, so wenig wie möglich."
Wie viel Biomüll fällt in der Mensa an?
Sehr wenig. Hauptsächlich Kaffeereste, etwa 10 Liter pro Tag aus einer kleinen Wanne. Lebensmittelverschwendung ist minimal. Die Mensa arbeitet sehr effizient, was die Menge angeht.
Welche Maßnahmen wurden ergriffen, um Müll zu reduzieren?
Die Mensa kauft in großen Gebinden. Lieferungen kommen in Mehrwegkisten statt in Kartons, das spart enorm Verpackungsmaterial. Es gibt keine Einwegverpackungen für Take-Away, nur Mehrwegbecher. Die Mülltrennung funktioniert genau, wenig Restmüll.
Wie wird der Müll gemessen? Gibt es Zahlen?
Es ist eher eine Gefühlssache. Exakte Zahlen gibt es nicht, aber der Erfolg ist sichtbar: die Container waren am Anfang übervoll, heute ist das Volumen deutlich geringer. Man sieht, dass die Maßnahmen wirken.
Mehr Leute in der Mensa bedeutet mehr Müll?
Ja, geliefert wird in Kartons mit Plastikverpackungen, also steigt die Müllmenge mit der Anzahl der Gäste. Trotzdem haben wir den Müll pro Person reduziert, weil die Mensa viel genauer trennt als Studierende es privat tun würden. Und es gibt keine Einwegprodukte für Take-Away.
Welche Pläne gibt es für die Zukunft?
Die Zertifizierung mit dem Österreichischen Umweltzeichen und Green Catering sind die nächsten Ziele. Konkret soll die Abfallmenge summiert und genau analysiert werden, um sie weiter zu verringern. Eine Feedbackkultur soll etabliert werden: Ziele setzen und mit Feedback überprüfen, ob sie erreicht wurden. Es geht nicht um das bloße Erreichen von Zielen, sondern um die Maßnahmen.
Was ist die wichtigste Botschaft zum Thema Müll?
Einweg ist der größte Feind. Kein Plastik, so wenig wie möglich. Das ist die Kernbotschaft. Ein weiterer Gedanke für die Zukunft: den Biomüll über einen Tank in einen Biogaskreislauf einzuspeisen. Die Mensa ist sehr stolz auf das, was bisher erreicht wurde.

Diskussion mit Studierenden

Wir haben mit Kommilitoninnen und Kommilitonen aus verschiedenen Fachrichtungen gesprochen. Ihre Beobachtungen zeigen ein klares Bild.

Coffee-to-go und Einwegbecher

Fast alle Befragten nennen die Kaffeeautomaten als größte Müllquellen am Campus. Die überquellenden Mülleimer neben den Automaten sind ein alltägliches Bild. Obwohl es Mehrwegoptionen gibt, nutzen sie die wenigsten. Die Bequemlichkeit und die Gewohnheit siegen über das Umweltbewusstsein.

Mülltrennung in der Uni vs. Zuhause

Mehrere Studierende berichten, dass sie zuhause akribisch trennen, in der Uni aber oft in den Restmüll werfen. Der Grund: die Trennsysteme sind unübersichtlich und nicht intuitiv. Wo gehört ein Kaffeebecher mit Plastikbeschichtung hin? Papiermüll oder Restmüll? Viele wissen es nicht und entscheiden sich für den einfacheren Weg.

Werbeflyer und Papierabfall

Werbezettel und Flyer, die in den Gängen verteilt werden oder auf Bänken liegen, landen oft sofort im Müll. Mehrere Studierende kritisieren, dass diese Art der Werbung bewusst in Kauf nimmt, dass ein Großteil sofort entsorgt wird. "Das ist respektlos gegenüber der Uni und der Umwelt", fasst es einer zusammen.

Zigarettenstummel vor den Gebäuden

Die Eingangsbereiche sind ein weiterer Hotspot. Zigarettenstummel liegen neben den Aschenbechern, obwohl die Entsorgungsmöglichkeiten direkt daneben stehen. Ein Student erzählt, er habe einmal 23 Stummel auf zwei Quadratmetern gezählt. "Das ist kein technisches Problem, sondern eine Frage der Einstellung."

Die Mensa macht es vor

Einige Studierende heben hervor, dass die Mensa in Sachen Müllvermeidung vieles richtig macht. Mehrwegbecher, keine Einwegverpackungen, bewusster Einkauf. "Das Problem ist, dass dieses Bewusstsein nicht auf den Rest des Campus übertragen wird", sagt eine Studentin. Die Kaffeeautomaten in den Bibliotheken und Gängen arbeiten noch mit Einwegbechern.

Vorschläge der Studierenden

Die Ideen reichen von einem Pfandsystem für Coffee-to-go-Becher auf dem gesamten Campus über transparentere Müllbehälter (damit man sieht, was reinkommt), Wettbewerben zwischen Instituten ("Wer produziert am wenigsten Müll?") bis hin zu einer digitalen Anzeige, die in Echtzeit zeigt, wie viel Müll eingespart wurde. "Die Universität könnte hier viel mehr Bewusstsein schaffen", sagt eine Studentin aus der Psychologie.

Unser Fazit

Was wir nach einem Tag voller Beobachtungen, Gespräche und Diskussionen mitnehmen.

Am Ende der Exkursion steht ein klares Bild: Müll an der Uni ist kein Zufallsprodukt. Er ist das Ergebnis von Gewohnheiten, Bequemlichkeit, mangelnder Infrastruktur und manchmal auch schlichter Gedankenlosigkeit. Aber er ist auch das Ergebnis echter Bemühungen und sichtbarer Erfolge.

Das Gespräch mit Norbert Wild hat gezeigt: in der Mensa passiert schon richtig viel. Mehrwegsysteme, Großgebinde, bewusster Einkauf. Die Mensa ist Vorreiter auf dem Campus. Die Müllmengen sind gering, die Trennung funktioniert, und der Stolz auf das Erreichte ist spürbar.

Die größte Erkenntnis: "Einweg ist der größte Feind. Kein Plastik, so wenig wie möglich." Diese Haltung von Norbert Wild müsste von der Mensa auf den gesamten Campus übertragen werden.

1. Die Kaffeeautomaten sind die Müll-Hotspots. Solange in den Gängen und Bibliotheken Automaten mit Einwegbechern stehen, wird sich das Problem nicht von selbst lösen. Die Mensa macht es vor, es geht also.

2. Trennung muss einfach sein. Wenn Studierende vor den Tonnen stehen und nicht wissen, wohin mit dem beschichteten Pappbecher, ist das System schuld, nicht die Person. Klare, einfache Beschilderung würde helfen.

3. Sichtbarkeit schafft Bewusstsein. Feedbackkultur, wie Norbert sie nennt, ist der Schlüssel. Wenn wir sehen, wie viel Müll produziert wird und wo er landet, verändert sich das Verhalten.

4. Die letzte Meile ist die schwerste. Die Serviette auf dem Tisch, der Stummel neben dem Aschenbecher, der Flyer auf der Bank – die Nähe zur richtigen Entsorgung macht es noch ärgerlicher. Das ist keine Infrastrukturfrage mehr, sondern eine Kulturfrage.

Ein gemeinsamer Vorschlag aus der Diskussion: Ein Pfandsystem für Coffee-to-go-Becher auf dem gesamten Campus, transparente Müllbehälter, ein Semesterwettbewerb "Müllfreieste Fachschaft" und eine sichtbare Feedbacktafel, die zeigt, wie viel Müll jede Woche eingespart wurde.

Am Ende ist Müll an der Uni wie überall: weniger ist mehr. Und jede Maßnahme zählt.